Amiga hat am Wochenende in St. Louis die aktuellen Pläne veröffentlicht. Angekündigt wurden diese mit einem Ground Shaking Event. Nachdem, was ich seit Sonntag darüber übers Internet gelesen habe, habe ich den Eindruck, dass sich nichts geändert hat.
Das langfristige Ziel von Amiga ist weiterhin ein portables, eigenständig laufendes AmigaDE in Kombination mit Elate von Tao. Neu ist, dass mit dem AmigaOS V5 inklusive Speicherschutz, SMP und anderen Features eine weitere Komponente als Grundlage für dieses System hinzugekommen ist. Außerdem gibt es mit Sharp eine Kooperation zur Entwicklung von Applikation für Sharp`s Zaurus-PDA auf Basis von AmigaDE.
Leider hat sich auch nichts an der Informationspolitik von Amiga geändert, so dass es sehr schwer ist zu verstehen, was Amiga eigentlich plant und ich mir auch nicht wirklich sicher bin, ihre Pläne nun richtig verstanden zu haben.
Ich habe allerdings den Eindruck, dass Bill McEwen und Fleecy Moss von ein und derselben Planung reden sich dabei aber auf die entgegengesetzten Enden konzentrieren. Bill McEwen konzentriert sich auf die kurzfristigen Ziele(AmigaOS für PPC, PDA, AmigaDE gehostet) und Fleecy Moss auf die langfristigen(eigenständig laufendes, portables AmigaOS V5 + AmigaDE für Hardware vom PDA bis hin zum Server einschließlich des Desktops). Diese unterschiedlichen Schwerpunkte dürften ein Grund für die derzeitigen Verunsicherungen sein. Ein zweiter dürfte darin liegen, dass Amiga bisher keine zusammenhängenden Texte veröffentlicht hat, aus denen ihre Zukunftspläne klar hervorgehen - u.a. ist weiterhin kaum etwas über AmigaDE bekannt.
So wie ich es verstanden haben sehen die Pläne nun folgendermaßen aus, wobei ich mir absolut nicht sicher bin, ob diese Darstellung stimmt, da es sehr mühsam ist aus dem, was von Amiga kommt, herauszulesen was Amiga jetzt eigentlich tun will und es auch Raum für eigene Interpretationen gibt.
Die kurzfristigen Ziele sind AmigaDE gehostet auf Linux und WindowsCE für PDAs und ein AmigaOS V4.x plus gehosteten AmigaDE für PPC-Rechner, die der Zico-Spezifikation entsprechen. Dies trifft z.B. auf dem AmigaOne 1200 von Eyetech zu.
Das langfristige Ziel ist ein portables, eigenständiges, run anywhere OS auf Basis des AmigaOS kombiniert mit Taos Elate und AmigaDE. Dieses OS wird Speicherschutz, virtuellen Speicher, SMP u.ä. bieten und skalierbar vom PDA bis hin zum Server verfügbar sein.
An der Planung und Weiterentwicklung von AmigaDE hat sich dabei nichts geändert. Es wird weiterhin den VP, die Sprache Sheep, OpenGL und die anderen geplanten und weiterhin unbekannten Features bieten und sowohl gehostet auf anderen Systemen als auch langfristig als eigenständiges System verfügbar sein.
Als Rechner für die Softwareentwicklung dürfte auch weiterhin der d´Amiga mit einer Weiterentwicklung des jetzigen SDKs dienen. Ich glaube/hoffe nicht, dass Amiga den Zico-PPC zum einzigen Entwicklungsrechner für AmigaDE ernennen wird.
Damit dürfte Amiga nun, 15 Monate nach der Gründung, sowohl die Wünsche der AmigaOS für PPC- und als auch die Wünsche der AmigaDE-Befürworter erfüllen, ohne das dies auf Kosten einer der beiden Grupppierungen geht.
Weshalb Amiga nicht in der Lage ist, dies der Öffentlichtkeit zu vermitteln ist mir vollkommen unverständlich.
Was weiterhin fehlt sind Texte, die Amiga´s Pläne klar, verständlich, nachvollziehbar und widerspruchslos an einem Stück auf amiga.com erläutern. Damit wäre nicht nur den Amiga-BenutzerInnen geholfen, sondern auch den MitarbeiterInnen bei Amiga, die kurz nach St. Louis mal wieder in einer Flut von heftigen Reaktionen erstickten und ihre Zeit sicherlich auch sinnvoller hätten verbringen können.
Daher verstehe ich nicht, weshalb Amiga nun schon wieder den gleichen Fehler macht. AmigaOS V4.x wird für Zico-PPC-Rechner angekündigt aber es gibt keine eindeutige Aussage, dass AmigaOS V4.x auch für die jetzigen PPC-Amigas erhältlich sein wird. Ausgestattet mit einem PCI-Board plus enstprechender USB-, Firewire-Karten u.ä. würden diese Rechner zudem die Zico-Spezifikation erfüllen.
Das sich Amiga selbst auf den leichter handhabbaren AmigaOne konzentriert, verstehe ich. Dadurch verliert Amiga keine Zeit und kann sich besser auf das eigentlich Ziel konzentrieren. Weshalb aber zusammen mit AmigaOS V4.x für AmigaOne nicht die Möglichkeit genannt wird, dass Drittfirmen dieses OS auf die jetzigen PPC-Amigas portieren können kann ich nicht verstehen. Irgendwo hatte Fleecy Moss zwar diese Möglichkeit angedeutet, eine eindeutige Aussage scheint es mir dazu aber nicht zu geben.
Amiga würde durch eine solche Portierung nichts verloren gehen aber es kämen vermutlich problemlos ein paar weitere 1000 AmigaOS V4.x AnwenderInnen hinzu. Niemand wäre sauer, dass plötzlich die teure PPC-Hardware überflüssig wird, obwohl sie sich für das AmigaOS eignen würde und Amiga-Firmen und -Händler könnten schon jetzt mit PCI-Boards u.ä. Geld verdienen, statt bis zum Sommer auf den AmigaOne warten zu müssen.
Wieso sich Amiga jetzt wieder aufs AmigaOS zurückbesinnt weiß ich nicht. Gründe dafür könnten die Forderungen nach einer Weiterenwicklung des AmigaOS sein und das Amiga in den letzten Monaten Bekanntschaft mit der Realität gemacht und dabei gelernt hat, dass es doch immer einige Zeit braucht, die eigenen Ideen umzusetzen egal wie gut sie sind.
Die Zico-PPC-Rechner sind jedoch eine sehr kleine Marktnische, die erstmal nur die jetzigen Amiga-BenutzerInnen anspricht. Mit einem LinuxPPC für diese Rechner kann der Benutzerkreis noch um ein weitere handvoll Leute erhöht werden, die dadurch eventuell auch aufs AmigaOS und AmigaDE aufmerksam werden. Einen größeren Markt wird man damit meiner Einschätzung aber nicht erreichen können. Dies könnte aber mit dem gehosteten AmigaDE für PDAs und Desktops möglich sein. Wobei ich weiterhin nicht weiß, um was es sich bei AmigaDE im Detail handelt, so dass ich nicht die geringste Ahnung habe wie interessant dieses System für BenutzerInnen andere Systeme sein könnte.
Wenn es aber auch schon jetzt ein eigenständig laufendes AmigaDE geben würde, dann würde dieses meiner Einschätzung nach nur einen kleinen Teil der installierten AmigaDE-Systemen aus machen, da der überwiegende Teil vermutlich gehostet auf anderen Systemen laufen wird. Da die BenutzerInnen so gleichzeitig ihr bekanntes System mit der bewährten Software plus dem neuen System mit der run anywhere Software nutzen könnten und nicht dazu gezwungen wären komplett von heute auf morgen auf ein neues System wechseln zu müssen.
Weil ich keine Details zu AmigaDE kenne, kann ich derzeit nicht einschätzen wie gut Amigas Zukunftsaussichten sind. Ich denke aber, dass sie ihre Planung nun auf einen soliden Boden gestellt haben, so dass die Ausgangsvoraussetzungen gut sind.
Ein möglicher Durchbruch wird meiner Meinung nach aber nicht über Nacht kommen, sondern sich nach und nach in Laufe der Jahre ergeben. Ein wichtiger Punkt wird dabei dann das portable AmigaOS V5 darstellen, in dem vermutlich das AmigaOS und AmigaDE zusammenschmelzen werden und mit dem sich Amiga dann von anderen Systemen unabhängig macht.